Daniel de Bÿl über den besonderen Blick für den Moment
Fotos: Daniel de Bÿl
Walsum zeigt sich oft erst auf den zweiten Blick von seiner besonderen Seite. Zwischen Rhein, Industrie, Grünflächen und wechselnden Lichtstimmungen entstehen Momente, die im Alltag leicht übersehen werden. Der Hobbyfotograf Daniel de Bÿl hat genau für solche Augenblicke ein besonderes Gespür. Obwohl er vor allem in der Wildlife- und Reisefotografie aktiv ist, findet er auch direkt vor der eigenen Haustür immer wieder spannende Motive. Im folgenden Gespräch erzählt er, was ihn an Walsum fotografisch reizt und warum Fotografie für ihn mehr ist als nur ein Hobby.
walsum.news: „Daniel de Bÿl, Sie sind in Walsum zu Hause und kennen den Stadtteil aus vielen Perspektiven. Was reizt Sie fotografisch hier besonders?“
Daniel de Bÿl: „Auch wenn ich viel im Bereich Wildlife- und Reisefotografie unterwegs bin, hat Walsum und das Ruhrgebiet für mich einen ganz eigenen Reiz. Gerade weil es kein klassisches Naturparadies ist, entdeckt man hier umso bewusster die kleinen Dinge. Vielleicht hilft mir dabei auch der Blick eines Zugezogenen, da ich erst seit 2019 hier wohne.
Ich fotografiere einerseits gerne Industrielle Architektur, andererseits Tiere und Natur – und genau das findet man auch hier, wenn man aufmerksam ist. Vögel am Rhein, Tiere in den Grünflächen oder besondere Lichtstimmungen zwischen Industrie und Natur.
Walsum ist für mich dabei ein Ort, an dem man lernen kann, genau hinzuschauen, den auch hier verbergen sich immer wieder faszinierende Momente und Augenblicke.“
walsum.news: „Sie haben kürzlich eindrucksvolle Bilder der Gewitterfront über Walsum gemacht. Wie sind diese Fotos entstanden, war das geplant oder ein spontaner Moment?“
Daniel de Bÿl:„Das war tatsächlich eine Mischung aus beidem. Ich beobachte das Wetter ziemlich aufmerksam und hatte schon das Gefühl, dass sich da etwas zusammenbraut. Allerdings kam die Gewitterfront eher, als ich es vermutet hatte, so dass ich „nur“ aus dem eigenen Garten heraus fotografieren konnte. Plötzlich ging alles recht schnell. Ich habe mir einen passenden Standort in unserem Garten gesucht und versucht, den richtigen Moment abzupassen. Die passende Technik hilft dabei natürlich enorm, dennoch braucht man gerade bei Gewittern auch immer ein bisschen Glück – man kann viel vorbereiten, aber am Ende entscheidet die Natur.“
walsum.news: „Worauf achten Sie, wenn Sie Wetterphänomene wie Gewitter, Wolkenformationen oder besondere Lichtstimmungen fotografieren?
Daniel de Bÿl: „Für mich ist Licht das Entscheidende. Bei Gewitter oder besonderen Wolkenformationen entstehen oft sehr dramatische Lichtstimmungen – genau darauf achte ich.
Außerdem spielt die Komposition eine große Rolle: Wo ist der Vordergrund? Gibt es etwas Vertrautes im Bild, das dem Ganzen einen Bezug gibt? Generell finde ich es spannend, wenn man erkennt: Das ist unsere Region – und trotzdem wirkt sie plötzlich ganz anders.
Und natürlich gehört auch Respekt vor der Natur dazu – Sicherheit geht immer vor.“
walsum.news: „Sie arbeiten als Lehrer und sind nebenbei als Hobbyfotograf aktiv. Ist Fotografie für Sie eher Ausgleich, kreative Leidenschaft oder auch eine Art, ihre Umgebung bewusster wahrzunehmen?“
Daniel de Bÿl: „Eigentlich alles zusammen. Nach einem langen Schultag ist die Kamera für mich ein perfekter Ausgleich. Ich komme raus, bewege mich in der Natur und kann abschalten.
Gleichzeitig ist es aber auch eine große kreative Leidenschaft. Fotografie verändert den Blick auf die Umgebung – man sieht plötzlich Dinge, an denen man sonst einfach vorbeigehen würde. Für mich ist es eine Art bewusster Wahrnehmung.“
walsum.news: „Viele Menschen sehen im Alltag oft nur das Gewohnte. Was möchten Sie den Menschen mit Ihren Fotos zeigen?“
Daniel de Bÿl: „Ich möchte zeigen, dass das Besondere überall auf uns wartet, auch wenn man manchmal einfach nur genau hinschauen muss.
Durch meine Wildlife- und Reisefotografie darf ich immer wieder Momente erleben, die sowohl weit weg von zu Hause entstehen, aber eben auch gleich nebenan. Begegnungen mit Tieren, besondere Landschaften, Lichtstimmungen, die man nicht planen kann, oder Blicke in die Vergangenheit. Und doch sind es genau diese Erfahrungen, die meinen Blick hier prägen.
Ein Vogel im richtigen Licht, ein kurzer Augenblick zwischen Regen und Sonne zwischen den Industrieanlagen, eine Stimmung, die man leicht übersieht, wenn man nicht genau hinschaut.
Am Ende geht es mir nicht nur um das Bild, sondern um das Gefühl dahinter: diesen einen Moment, der kurz alles langsamer macht. Einfach der Moment im hier und jetzt.
Diese Momente teile ich auf meinen Instagram-Kanälen @de_byl_photography (Reise- und Landschaftsfotografie) und @de_byl_wildlife (Wildlife-Fotografie).
Wenn meine Fotos dazu führen, dass jemand stehen bleibt, genauer hinschaut und vielleicht selbst wieder mehr sieht, dann bedeutet mir das viel. Ich freue mich aber auch schon darüber, wenn ich mit meinen Bildern anderen eine Freude bereiten kann.“





